Bereits ists über ne Woche her (3.Feb) seit ich unsicheren Fusses das Flugzeug in Mexicos Hauptstadt verliess und meinen Weg durch den Grossstadtjungel zu meinem Hotel suchte. Der Anflug über die Megastadt war ziemlich eindrücklich... Stadt und Häuser so weit das Auge reicht. Die recht hügelige Gegend um die Stadt ist von zum Teil sehr armen Siedlungen regelrecht überwuchert.
Am drauffolgenden Tag verliess ich die Metropole bereits und reiste direkt ins etwa 80km südlich gelegene Cuernavaca, wo ich seit da die Tage bei einem jungen Pärchen mit Kind, zwei Katzen und ein paar Ameisen verbringe. Santiago und Estefania sind sehr nett, die Ameisen auch... der Sohn (5) mag es Spielzeug und Tortillas durch die Wohnung zu schmeissen.
Tortillas heissen die Maisfladen, welche hier ueberall verkauft und gegessen werden. Diese und überhaupt das Essen hier sagt mir sehr zu, sodass ich die Notration an Schokolade, welche ich von Zuhause mitbrachte, getrost als Kulturexport den Mexikanern hier vermachen konnte. Auf den Strassen werden auch überall interessant aussehende Süssigkeiten verkauft... doch meine Furcht vor Montezumas Rache war doch meistens grösser als meine Neugierde. Sehr lecker sind aber auf jeden Fall all die frischgepressten Fruchtsäfte aus Gewohntem und aus mir bislang unbekannten Früchten, wie z.B. der Guayaba, trinke ich diese Tage immer zum Mittagessen, das hier bei den Mexikanern so zwischen 2 und 4 am Nachmittag stattfindet.
Gewöhnungsbedürftiger ist jedoch der viele Dreck und Verkehr welcher hier alle Gassen füllt sowie ganz einfach auch das alleine in der Ferne reisen. Die Sprache sprudelt mir noch nicht ganz so locker von den Lippen, doch dafür habe ich Pedro, der mir jeden Tag im wunderschönen Garten der Escuela Experiencia was neues beibringt.
Am letzte Wochenende besuchte ich die Orte Tepotzlan und Xochicalco. Beides Orte wo Überreste vergangener Zivilisationen zu besichtigen sind. Tepotzlan liegt etwas nördlich von hier und bis vor ca.100 Jahren lebten hier nur "Nauhatl" sprechende Indianer in der Abgeschiedenheit. Heute beherbergt das Staedtchen etwa 13'000 Einwohner unteranderem viel esoterisch angehauchte Touristen oder Durchreisende auf der Suche nach der Energie, welche hier fliessen soll... Zusammen mit Xochicalco und einem weiteren Ort, den ich aber nicht besucht habe, bilden diese ein energetisches Dreieck. Sei wissenschaftlich bewiesen, weil ganz seltene auffaellige Mineralien im Boden vorhanden seien.... Wie dem auch sei, auf Xochicalco konte ich einer seltenen Zeremonie beiwohnen. Ich durfte eine Familie hier begleiten, die einem nicht lange vertorbenen Professor von Cuernavaca seine letzte Ehre erwiesen. Dieser Mann soll sein Leben der indianischen Kulturen gewidmet haben und sein letzter Wunsch war, dass seine Asche in den Ruinen von Xochicalco verstreut werden. Das indianisches Begraebnis war ziemlich eindrücklich... mit Tanz und Musik... auch wenn ich als Unbeteiligter das Ganze nur aus der Ferne beobachtete und nicht viel davon verstand, so fühlte sich dessen Trauer irgendwie natürlicher und heller an als bei uns (fand ja auch draussen und unter der Sonne statt).
Doch dies ist natürlich nicht die übliche Tradition hier in Mexiko :-) die katholische Kirche ist doch ziemlich präsent hier... so zum Beispiel sieht man Krippen, die einfach so mal in einer Gasse aufgestellt und mit vielen Figürchen und blinkenden Lichtern verziert werden. Auch die Kirchen sind hier besser besucht als bei uns und doch hält der Zerfall dessen Werte auch hier Einzug (Sex vor der Ehe, steigende Scheidungsraten uns so).
Weniger Präsent als bei uns jedoch klar der Sozialstaat... viel Armut, Arbeitslose und Leute unterm Existenzminimum. An Stelle des Staates scheint das soziale Umfeld zu stehen... nicht so wie bei uns kennt man sich hier in der Nachbarschaft und klar, meistens wohnen die Familien auch näher beisammen. Dies vereinfacht auch den Kommunikationsweg; statt per Telefon ruft man einfach aus dem Fenster, wenn man was von jemandem will. Umgekehrt gehen Strassenverkäufer durch die Gassen und preisen ihre Waren an. So auch "Tamales"-Mann der so jeden Tag seine Maismehlpuddings verkauft. Sein tiefer monotoner "Taamaaaleeeeee" Gesang erinnert mich jeden mal an ein muslimischer Muezzin.
So long.... mal ein paar meiner ersten Eindrücke... Ein paar Fotos hab ich muehsamst hochgeladen :-) Fotos von Familie und so folgen noch.! |